Kunst & Kultur

 

Wolfgang Schmidt

 

Bei Wolfgang Schmidt geht es um Serielle Kunst, wie sie sich seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert – man denke an Claude Monets Getreideschober – entwickelte und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts innerhalb der Minimal Art und der Pop Art ihren Höhepunkt erreichte. Beschränkt sich der Serienbegriff bei Monet zunächst noch auf das Wiederholen von dem immer gleichen Motiv in einzelnen Ölgemälden, so erweitert sich in den frühen 1960er Jahren das Verständnis des Seriellen und Künstler wie Donald Judd, Dan Flavin und Sol Le Witt – um nur einige Namen zu nennen – experimentieren mit Wiederholungen, Reihungen und Serien von austauschbaren geo- oder stereometrischen Elementen aufgrund ihrer eigenen ästhetischen Wirkung. Hier tritt der Künstler – im krassen Gegensatz zum gleichzeitig aktuellen Abstrakten Expressionismus – völlig zurück, auch um Inhalte geht es nicht. Es geht um die Regelhaftigkeit, um die Methode, um das Materielle und dessen Präsenz.  

 

Wolfgang Schmidt greift in seinem Werk diese Entwicklungen auf. Er führt sie fort, er ergänzt, er erweitert sie. Seit fast 20 Jahren arbeitet der Dortmunder Künstler mit seiner abstrahierten, schmalen, langgestreckten menschlichen Figur. Wenn man so will, ist sein ganzes Werk eine einzige Serie: das Experimentieren mit dem gleichen Element, immer und immer wieder.  

 

Müsste man einen direkten Vergleich ziehen, wäre vielleicht Josef Albers Wolfgang Schmmidts Vater im Geiste. Beinahe 30 Jahre lang setzt er sich in seiner Serie „Hommage to the Square“ mit dem Quadrat auseinander. Obwohl sein Ansatz analytischerer Art ist und er das Verhältnis von Farben, Formen, Linien und Flächen zueinander systematisch untersucht, bleiben dem Museumsbesucher die unerschöpflichen farbenfrohen Variationen der Quadrate in Erinnerung. Quadrate in allen Größen und Farben. So wie es Wolfgang Schmidts Figuren in sämtlichen Variationen gibt. Der Unterschied: Wolfgang Schmidt arbeitet nicht mit einer geometrischen Form, sondern: „Mein Quadrat ist die Figur“, sagt er.