Künstler

 

SARAH SCHLEICH reagiert. Sie reflektiert ihr Umfeld und kommentiert ihre Welt, die Kunstwelt. Dabei ist sie aktuell, zeitgenössisch. Denn Kunst spiegelt immer auch die Zeit, in der sie entsteht.

 

Dem Düsseldorfer Publikum dürfte ihr Name bekannt sein, sorgte sie doch im Rahmen des Akademierundgangs im letzten Jahr mit ihrer Abschlussarbeit „la dette“ für einigen Wirbel: Denn das großformatige Gemälde behandelt inhaltlich nicht nur das Thema Finanzkrise (die globale und die persönliche der Künstlerin), sondern es repräsentiert ganz konkret die BAföG-Schulden der Künstlerin. Als sichtbares Ergebnis der künstlerischen Ausbildung SARAH SCHLEICHs steht es für den Wert des Studiums. In einer einfachen Formel ist es so viel wert wie das Studium selbst und kostet damit genauso viel wie die Ausbildung an der Akademie: 18.306,19 Euro. Für diesen Preis bietet die Künstlerin das Bild im Frühjahr 2009 auf dem Akademierundgang zum Verkauf an.  

 

„la dette“ polarisiert. Regionale und überregionale Zeitungen berichten und auch das Fernsehen lässt nicht lange auf sich warten, als SARAH SCHLEICH ihr Projekt in der Tal R.- Klasse präsentiert. Das Thema ist allgegenwärtig, die Aufmerksamkeit gilt ihr. Kaum ein Bericht über den Rundgang der altehrwürdigen Akademie ohne einen Hinweis auf SARAH SCHLEICH. Auch ‚kunstferne’ Medien berichten über das einmalige, aktuelle und provokante Vorhaben der jungen Künstlerin. Nur aus den eigenen Reihen erfährt sie Unverständnis. Nachts hängen Unbekannte in der Akademie ihre Bilder ab, ein Gemälde wird gestohlen und bleibt verschwunden. SARAH SCHLEICH scheint hier einen wunden Punkt des Kunstbetriebs getroffen zu haben. Sind der Konkurrenzkampf und der Erfolgsdruck an den Akademien wirklich so hoch?  

 

Thematisiert sie mit „la dette“ das finanzielle Problem, vor dem junge Künstler nach dem Studium stehen, die Preispolitik und damit den ‚Kunstboom’, so reagiert sie mit dem Gemälde „Let there be Neid“ auf die Erfahrungen, die sie an der Akademie machen muss, als sie sich abhebt, aus der Masse der Absolventen hervorsticht.  

 

Auch das gestohlene Bild mit dem Titel „Eat your salad, no desert - get that man you deserve“ ist für SARAH SCHLEICH nicht verloren. Der Diebstahl wird thematisiert, eine neue Arbeit entsteht: Im Sommer 2009 präsentiert sie in einer Ausstellung im Luxemburger Pavillon du Centenair unter anderem eine Rauminstallation: Die gestohlene Arbeit wird als Dia auf eine Wand projeziert, somit reproduziert und gezeigt. Ironisch überspitzt lässt SARAH SCHLEICH dieses immaterielle Bild pedantisch überwachen: Mehrere Videokameras zeichnen das immaterielle Kunstwerk und auch seine Betrachter Tag und Nacht auf und geben die Bilder an große Überwachungsmonitore weiter.  

 

Das letzte Gemälde, das in Düsseldorf entsteht, trägt den Titel „Deutschland sucht das Superstar“. Die 170 x 260 Zentimeter große Arbeit ist SARAH SCHLEICHs letzter Kommentar zu dem ‚Akademiezirkus’, in dem neue Talente – ähnlich wie in bekannten Castingshows des Privatfernsehens - um die Anerkennung möglicher Gönner buhlen, um eine Zeit lang erfolgreich mitzuschwimmen auf der Welle des Erfolgs.  

 

Dann kehrt sie dem Rheinland den Rücken. Ihr Weg führt sie nach Barcelona. Dort entstehen kleinformatige, tagebuchhafte Collagen unter dem Titel „Remember who you are“. Zum größeren Format und zur Ölfarbe findet sie erst in Luxemburg zurück. Hier steht ihr wieder ein Atelier zur Verfügung und hier ist ihr neuer Lebens- und Schaffens-Mittelpunkt.  

 

Am 07. November 2010 eröffnet die Galerie arteversum unter dem Titel „3 minutes in love“ die erste große Überblicksschau der jungen luxemburgischer Künstlein SARAH SCHLEICH. Zu erwarten sind neben den kräftigen, sorgfältig komponierten Ölgemälden in der unverwechselbaren Handschrift der Malerin, Installationen und Papierarbeiten. Ein lautes, romantisches Gesamtkunstwerk mit der einen oder anderen Überraschung, einer Priese Ironie und einer Spur Zynismus.  



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