MARGRET EICHER - ironic icons
Die Galerie arteversum leitet die neue Saison - im Rahmen der erstmalig gemeinsamen Saisoneröffnung „Düsseldorf Cologne Open 2009“ – mit einer als Retrospektive angelegten Einzelausstellung der in Mannheim lebenden Künstlerin MARGRET EICHER ein.
Chronologisch setzt die Ausstellung an den so genannten Copy Collagen an, durch die die Künstlerin in den 90er Jahren deutschlandweit Beachtung fand. Auch die um das Jahr 2000 entstandenen manipulierten Werbeplakate, die späteren Frechen Kopien und digitalen Aquarelle finden ihren Platz und dokumentieren MARGRET EICHERs Weg hin zu ihren aktuellen Arbeiten:
Großformatige Wandteppiche bilden den Schwerpunkt der Überblicksschau, in deren Zentrum eine raumgreifende Installation zweier – mit rund 11 Metern Länge und über 4 Metern Breite – überdimensionierter Tapisserien steht, die erstmals im Aachener Ludwig Forum zu sehen waren. An weiteren Tapisserien verschiedener Formate lässt sich der inhaltliche und formale Facettenreichtum des Mediums ablesen.
Mit der gewebten Tapisserie bedient sich die Künstlerin eines traditionell aufgeladenen Mediums, um mit ihm durch oftmals zeitgenössische, irritierende und unerwartete Inhalte sofort wieder zu brechen. Ihre Vorlagen findet MARGRET EICHER auch in der Kunstgeschichte, zum großen Teil aber akquiriert sie sie aus der Gegenwart. Motive von Künstlerkollegen kommen dabei genauso in Frage wie Werbeaufnahmen aus Illustrierten oder Fotos politischer Berichterstattung, die sie digital collagiert und in den „historischen Rahmen“ des Gobelins setzt.
Rein formell ist es genau diese Diskrepanz zwischen dem tradiertem Bildträger und der Alltäglichkeit der Motive, die die von den Arbeiten ausgehenden Spannungen ausmachen und den Betrachter herausfordern. Aber auch auf der inhaltlichen Ebene nimmt die Künstlerin Bezug auf die historischen Vorgänger ihrer (maschinell hergestellten) Gobelins:
So galt die Tapisserie über Jahrhunderte hinweg als Medium der Repräsentation und Legitimation des jeweiligen Herrschergeschlechts. Bei MARGRET EICHER sind es oftmals die Schönen und Reichen unserer Zeit, die sich in Szene setzen, um abgelichtet zu werden. Sind sie, die Models, Künstler, Busenwunder und Actionfiguren, die Helden, die wahren Herrscher unserer Zeit? Diese Infragestellung unserer Gesellschaft – oder ihrer Werte – macht die großformatigen Werke zu ironic icons.
Die augenzwinkernde und stellenweise auch messerscharfe Ironie zieht sich genauso wie die Technik der Collage durch das gesamte Werk der Künstlerin. Auch die Momente der Irritation, der Verfremdung und der Imitation finden sich wie das Verwenden beziehungsweise Kopieren von traditionellen Bildträgern und Techniken in allen in der Ausstellung zu sehenden Werkgruppen in verschiedensten Facetten wieder und macht die Entwicklung deutlich und nachvollziehbar, die MARGRET EICHERs Werk in den vergangenen zwanzig Jahren genommen hat.
Vernissage im Rahmen der „Düsseldorf Cologne Open 2009“
Freitag, 04.09.2009 (18-22 Uhr)
Samstag, 05.09.2009 (12-20 Uhr)
Sonntag, 06.09.2009 (12-16 Uhr)
Künstlergespräch in der Galerie Sonntag, 20.09.2009 (16-18 Uhr)
Prof. Dr. Stephan Berg, Kunstmuseum Bonn
im Gespräch mit Margret Eicher