Ausstellungen

Junge Kunst - viel versprechend

Samstag, 09. Mai 2009

Bertram Müller, Rheinische Post


 

Für einen der Künstler, die der Verein 701 im vorigen Jahr zur Teilnahme an der Ausstellung "Regarding Düsseldorf" in die Galerie Arteversum lud, hat sich das Mitmachen nicht nur der Ehre wegen gelohnt. Die Sparda-Bank verlieh ihm daraufhin ihren mit sage und schreibe 100 000 Euro dotierten Kunstpreis.

Auch anderen Künstlern hat Kuratorin Pia Witzmann bereits eine Karriere gebahnt. Wer bei "Regarding Düsseldorf" ausstellt - das hat sich in Fachkreisen herumgesprochen -, könnte zu den Großen von morgen gehören.

 

Die Idee, einen Ausstellungsverein zu gründen, geht auf einen Marathon-Lauf in New York zurück. Düsseldorfs damaliger Oberbürgermeister Joachim Erwin, Fotokünstler Andreas Gursky und noch einige Düsseldorfer mehr begeisterten sich dafür, Künstlern aus der Region, die noch nicht im Markt verankert sind, ein Forum zu bieten. Das KIT am Rheinufer, das ähnliche Ziele verfolgt, bestand da noch nicht. Heute konkurrieren beide miteinander, ohne dass einer Schaden nähme. Denn mit einer Ausstellung tritt der Verein 701 - benannt nach der Straßenbahnlinie - nur einmal im Jahr hervor.

 

Kuratorin Pia Witzmann hat wieder einmal so viele Ateliers durchwandert, dass sie vermutlich mit Fug und Recht behaupten kann, sie biete in der jüngsten Schau erneut einen repräsentativen Querschnitt durch das rheinische Kunstgeschehen der Gegenwart. Für die Auswahl nach formalen Gesichtspunkten gilt das ganz offensichtlich: Installation und Video, Malerei und Fotografie, Gegenständlichkeit und Abstraktion. Die Kunst des Kuratierens besteht nicht zuletzt darin, die Werke in einen Dialog zu spannen, damit eine Gemeinschaftsschau von zehn Künstlern nicht zu einem öden Warenlager gerät. Bei "Regarding Düsseldorf" reicht ein Objekt den neugierigen Besucher ans nächste weiter, auf dass er sich einen Reim mache.

 

Stark inhaltlich ausgerichtete Kunst holt den Betrachter zu Beginn des Parcours ab: Lin May hat in einer Installation auf einer Parkbank Mensch und Tier Platz nehmen lassen, auf dass beide Geschöpfe einander in Augenhöhe begegnen. Eine Kritik an der Unterwerfung des Tiers, wie sie in unserer Gesellschaft Tradition hat. Alexander Wissel hat der Ecke, die er mit Linoldrucken und Zeichnungen füllen durfte, die Tür seines einstigen Kinderzimmers vorangestellt, mit Ansichten von Palmen und Meer auf der einen, von einer Reh-Idylle auf der andren Seite. Verlorenes Paradies.

Michail Pirgelis begeistert sich seit Jahren für Flugzeuge und hat sich für "Regarding Düsseldorf" etwas Einschlägiges einfallen lassen. An der Wand lehnt ein Stück aus einer metallenen Außenhaut eines Flugzeugs, auf dem Boden liegt ein alter, vom Teppich befreiter Flugzeugboden. Auf andere Weise drückt sich Anna Friedel aus, und das im wörtlichen Sinne. Sie hat riesige, schwarze und pinkfarbene Leinwände zu Skulpturen verformt und in den Raum gestellt - als Abdrücke eigener Energie.

 



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