MODELLPROJEKT. Zwei Studentinnen haben eigenständig eine Ausstellung in der Galerie arteversum kuratiert - eine neue Kooperatin zwischen Uni und Kunstmarkt.
Es ist ein Trend auf dem Kunstmarkt - angesagte Künstler werden immer jünger. Die Newcommer von den wichtigen Akademien sind meist gut vernetzt und haben es vergleichsweise leicht, sich am Markt zu etablieren. Bei Kunsthistorikern, die dagegen die Kuratoren- oder Galeristenlaufbahn anstreben, ist das anders: Der Schritt von der Uni in die Praxis ist groß. Die Uni Düsseldorf und die Galerie arteversum wollen das ändern: In einer einmaligen Kooperation durften zwei Studentinnen der Kunstgeschichte in Eigenregie eine Ausstellung kuratieren. Am Sonntag wird sie eröffnet.
Dabei ist es vielleicht auch ein wenig akademischem Idealismus geschuldet, dass Lena Kawohl (22) und Linda Walther (26) sich als Thema für ihr Erstlingsprojekt gleich die komplexeste aller Menschehitsfragen gestellt haben - nach Ursprung, Lebenssinn und Zukunft, ausgedrückt in der Titel-Trias von Paul Gauguins Monumentalgemälde "Woher kommen wir? Was sind wir? Wohin gehen wir?" In anderthalb Jahren Vorbereitungszeit haben die beiden Studentinnen die Werke von 26 Künstlern gesammelt, die sich in verschiedenen Genres mit den von Gauguins Gemälde aufgeworfenen Fragen auseinandersetzen. "Anspruchsvoller geht es kaum", betont Reinhard Gröne, Geschäftsführer der Galerie arteversum, der die Idee zum Projekt hatte.
Fast alle Werke wurden extra für die Ausstellung gefertigt
"Wir wollten eine möglichst breite Perspektive auf dieses komplexe Thema eröffnen", beschreibt LInda Walther die Maxime der beiden Kuratorinnen bei der Künstler-Auswahl - also Männer und Frauen, junge und etablierte Künstler, Maler neben Fotografen und Bildhauern, Künstler aus verschiedenen Kulturkreisen in einer Werkschau zusammenbringen. Fast alle gezeigten Werke haben die Künstler eigens für die von Walther und Kawohl gegebene Fragestellung gefertigt.
Die gesamte Betreuung der Ausstellung, von der Konzeption über die Anordnung der Werke in den arteversum-Räumen bis hin zu Katalog und Plakaten lag in der Verantwortung der beiden Jung-Kuratorinnen. Gröne und Hans Körner, ihr Professor am Kunsthistorischen Seminar der Heinrich-Heine-Uni, halfen nur sporadisch mit Hintergrundwissen aus.
"Praxis-Projekte für die Studenten sind bei uns zwar seit langem üblich", so Körner, "aber in diesem Umfang ist das etwas völlig Neues." Walther und Kawohl hätten mit der Ausstellung absolut Überdurchschnittliches geleistet. Nur eine Handvoll der 400 Kunstgeschichte-Studenten der Heine-Uni hatte sich überhaupt auf den Projekt-Aufruf gemeldet. "Es war viel Stress, aber wir haben unendlich viel gelernt", resümiert Lena Kawohl. Reinhard Gröne stimmt zu. "Sie haben jetzt eine eigenständige Ausstellung im Lebenslauf stehen, bevor sie ihren Abschluss gemacht haben. Das ist eine Riesenchance." Sollte die Ausstellung beim Publikum gut ankommen, ist eine Fortsetzung des Projekts angedacht.
