MODELL-PROJEKT. Kooperation zwischen Galerie und Heine-Uni: Zwei junge Kunsthistorikerinnen erarbeiteten erste Ausstellung.
Lena Kawohl hält es mit der Schriftstellerin Julie Zeh: "Das Studium ist Welpenschutz mit der Lizenz zum Ausprobieren." Doch genau diese praxisbezogene Chance fehlte angehenden Kunsthistorikern wie Lena Kawohl - bislang. Dass die 22-Jährige am 7. September (11-15 Uhr) gemeinsam mit ihrer Kommilitonin Linda Walther ihre erste selbst kuratierte, professionell erarbeitete Ausstellung eröffnet, ist das Ergebnis eines Modellversuchs.
Von 400 Studenten wagten es nur sechs
Der Düsseldorfer Galerist Reinhard Gröne gab den Anstoß für diese Kooperation mit dem Kunstgeschichtlichen Seminar der Heine-Uni. "Künstlern bietet die Stadt zahlreiche Plattformen." Für Kunsthistoriker gebe es dagegen keinerlei Kuratoren-Teststrecke. "Aber die müssen ja auch üben!" Themenstellung, Künstlerauswahl, Rechte, Preise abklären, Ausstellungs-Architektur, Hängung, Katalog, Werbung etc...
Uni-Professor Hans Körner verbreitete die frohe Kunde vom Pilotprojekt für den potentiellen Kunsthändler-Nachwuchs in der Galerie arteversum am Seminar. Erstaunlich, dass von den rund 400 Studenten der Kunstgeschichte nur sechs Kandidaten darauf ansprangen. "Vielleicht war's vorab schon die Schere im Kopf, da haben wir ja doch keine Chance", vermutet der Galerist. Lena Kawohl und Linda Walther jedenfalls bereuten gestern ihren ersten Ausstellungs-Einsatz nicht. "Ich hätte nicht gedacht, dass das soviel Arbeit macht", räumt Lena Kawohl ein, ist sich aber mit Linda Walther einig: "Das war ein wichtiges Lehrstück. Nicht nur für den Berufsweg, auch für uns als Menschen. Man muss diplomatisch sein, aber seinen Standpunkt vertreten. Energie, Biss und ein gutes Team, das braucht man schon."
Eineinhalb Jahre haben sich die Kunsthistorikerinnen, parallel zum Studium, für die Schau engagiert. Mit einem anspruchsvollen Ziel: "Wir wollten ja am Ende auch stolz darauf sein!" Eben noch im Seminar, plötzlich angekommen im Kuratoren-Alltag, sei ihnen klar geworden, dass ein Ausstellungsthema wie erste Hilfe wirken würde. Sie zitierten Paul Gauguins berühmtes Gemälde: "Woher kommen wir? Was sind wir? Wohin gehen wir?" Und reichten diese existentiellen Fragen an zeitgenössische Künstler weiter. 26 antworteten auf das Experiment mit eigens für die Schau geschaffenen Werken. Ein breites Spektrum wollten die Ausstellungsmacherinnen präsentieren. So zeigen Asiaten, Maerikaner wie Europäer (viele mit Düsseldorfer Akademie-Bezug) ihre Kommentare, reagieren 21- wie über 50-Jährige auf Gauguin und die drei Sinnfragen - mit viel Malerei, auch Fotografie, Objekten, Konzept- und Video-Kunst.
FORTSETZUNG FOLGT?
Gut möglich, dass der Modellfall eine Fortsetzung findet: "Wir wollen die Erfahrungen abwarten", so Galerist Gröne wie Professor Körner. "Dann entscheiden wir, wie wir weitermachen." Die Galerie arteversum, Jahnstraße 71: 10.9. bis 1.11. (Mi-Fr 12-18, Sa 12-15 Uhr)
