Ausstellungen

Packeis unter dem Ziegeldach

Montag, 07. April 2008

Thomas Hag, NRZ


 

"Regarding Düsseldorf 3" macht diesmal in der Galerie arteversum Station. 13 Positionen sind vertreten.

 

Die Reihe hat kein Heim. Bereits zum dritten Mal präsentiert die Initiative 701 (benannt nach der Straßenbahnlinie), ein Förderkreis von Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft und Politik, junge Kunst aus der Stadt - wieder wechselt dabei der Ausstellungsort von "Regarding Düsseldorf". Waren es zunächst leerstehende Büroflächen, stellt nun wie beim zweiten Rundgang die Galerie arteversum ihre 750 Quadratmeter zur Verfügung. Aber vielleicht passt das ja zu diesem Format, das auch in sich wenig vorhersehbar ist. Junge Kunst soll gefördert werden, also Künstler aus dem Umfeld der Akademie, Studenten, Absolventen und bereits tätige Künstler, die zwar schon bekannt, aber nicht unbedingt etabliert sind. Diesmal hat Kuratorin Pia Witzmann dreizehn Mitspieler ausgewählt, und so unterschidlich die Genres sind, Malerei, Skulptur, Installation, Video und Fotografie, so vielfältig sind auch die Positionen.

 

Bereit zum Bluten?

 

Gregor Russ und Jörn Stoya haben sich für ein Projekt zusammengetan und einen Raum mit dem Namen "Are You Ready to Bleed?" (Bereit zum Bluten?), ein Verweis auf einen Song von Loyd Cole, geschaffen - eine "Italo-Zen-Disco", wie ihn die beiden nennen. Stoyas Bilder bilden eigene Räume in diesem Raum, Russ' schwarzer Nachen bildet den melancholischen Gegenpart zum klinischen Weiß der Wände und des Bodens, in den irritiernde Quecksilberflächen eingelassen sind. Nebenan eine weitere Co-Produktion von Thomas Arnolds und Tim Berresheim, die Fotografie und Malerei miteinander kombiniert.

 

Leicht bedrohlich wirken die überdimensionalen Fotos ihrer Elternhäuser, in die schillernd bemalte Figuren wie Avatare aus der künstlichen Welt integriert sind. Die Arbeiten von Daniela Georgieva wirken dagegen fast bescheiden und schlicht. Die Absolventin der Kunstakademie, die einige auch als Musikerin kennen, hat sich von folkloristisch anmutenden Flickenmotiven inspirieren lassen und ein buntes Ziegeldach geformt, das sie wie eine Decke über ein Holzgestell hängen lässt.

 

Dicht daneben dann wieder Wucht. Thomas Stricker hat eine über zehn Meter lange Styroporskulptur geschaffen, schroffe Splitter, die sich wie Packeis gegeneinander reiben und auftürmen. Jede Assoziation an Romantisches wie von Caspar David Friedrich wird von der Wahl des Materials erstickt, so wie durch das Fehlen jeglicher anderer Bezugspunkte: Wir sind schon auf die Natur zurückgeworfen, aber nicht als Sinn-Bild, sondern als ein System der Dynamik und der Strukturen.

 

Nesha Nikolics Installation eines Schützengrabens steht schließlich in der Tradition von Edward Kienholz. Schlachtgeräusche locken in eine Sandsackformation, über Kopfhörer gerät der Besucher in die Parallel-Welt von Lazar, dem Wachkoma-Krieger auf dem integrierten Bildschirm. Diese Beispiele zeigen bereits, wie breitgefächert die Palette der Künstler von Regarding Düsseldorf 3 ist, eine Show, die wie ein gelungenes Sammelalbum funktioniert: viel Gutes, vieles, das gut zusammenpasst, ein paar Füller, und die ein oder andere Entdeckung, von der man mehr sehen möchte.

 



arteversum bei facebook