Ausstellungen

Kunst der neuen Innerlichkeit

Freitag, 04. April 2008

Bertram Müller, Rheinische Post


 

Unter dem Titel "Regarding Düsseldorf 3" stellen sich zurzeit im "arteversum" 13 Künstlerinnen und Künstler mit Bildern und Objekten vor: eine nahezu repräsentative Momentaufnahme der Gegenwartsszene.

 

Ein weißes Gebirge aus Styropor markiert den Mittelpunkt des riesigen, nur hier und da durch flüchtige Wände unterteilten Raums der Galerie "arteversum" an der Jahnstraße. Thomas Stricker (Jahrgang 1962), Düsseldorfer Künstler mit Schweizer Wurzeln, hat diese Gussformen für eine Skulptur, die in Aachen ein Blumenfeld ziert, hier installiert. Man denkt an Blüten, die auseinander hervorgehen, zugleich brüchig werden und vor lauter Reife vollends zerbersten könnten.

 

Strickers märchenhafte Szenerie weckt die Vorstellung von Landschaft, und wer gedanklich noch weiter schreitet, stößt womöglich auf das Thema Klimawandel. Zunächst aber zieht das weiße Riesen-Objekt allein durch seine bizarre Gestalt die Augen der Besucher auf sich - als Einladung zum Träumen.

 

Um Strickers Beitrag reihen sich Werke von 13 Künstlerinnen und Künstlern aus dem Rheinland, die Kuratorin Pia Witzmann erwählt hat. Im Auftrag des nach einer Straßenbahnlinie benannten Düsseldorfer Vereins "701 e.V." ließ sie ihren Ausstellungen "Regarding Düsseldorf" 1 und 2 Nummer 3 folgen.

 

Hang zur Romantik

 

Sie hat alles richtig gemacht. Hat sich bei ihrer Auswahl nicht starr auf Düsseldorf beschränkt, sondern auch Köln einbezogen. Hat nicht nur junge Künstler eingeladen, sondern auch Vierziger willkommen geheißen. Hat nicht bloß einen Trend gespiegelt, sondern die Werke nach deren Verträglichkeit untereinander gewählt - und vermittelt dennoch eine Ahnung davon, was die deutsche Kunst von heute zusammenhält: Figürlichkeit und ein Hang zur Romantik.

 

Links des Eingangs fordern Tim Berresheim und Thomas Arnolds das Publikum auf, einen Blick in ihre Kindheit zu werfen. Nebeneinander bieten sich auf riesenhaften Fotografien hell in die Nacht leuchtend die Elternhäuser der Künstler dar. Kombiniert ist das mit einigen Objekten und einer Audio-Ergänzung - wie überhaupt sich in dieser Schau die Medien kreuzen.

 

Das gilt nicht für eine Zeichnung von Anja Schrey. In fast einjähriger Arbeit hat sie in Großformat mit Buntstiften einen Mann gezeichnet, der auf einer Frau liegt - die Züge der Künsterin trägt.

 

Eine Spiegel-Installation von Jörn Stoya, gepaart mit einem geheimnisvollen schwarzen Boot von Gregor Russ, zudem nicht minder rätselhafte Malereien von Björn Dressler, die aus der Phantasie gezeugte Felsformationen mit Menschlein zeigen - vieles entführt die Besucher in ein übernatürliches Reich. Umso heftiger entfaltet eine Installation von Nesha (Nenad Nikolić) ihre Wirkung. In einem Schützengraben aus Sandsäcken blickt den Betrachter von einem Bildschirm ein Soldat im Wachkoma an; eine lebensecht hergerichtete Puppe, welcher der KÜnstler per Kopfhörer einen Bewusstseinsstrom aus Worten beigegeben hat.

Das ist innerlich - und zugleich bedrückend dicht an der Wirklichkeit.

 



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