Ausstellungen

Junge Kunst aus Düsseldorf

Freitag, 11. April 2008

Helga Meister, WZ


 

Mit "Regarding 3" zeigt der Verein 701 13 junge Künstler auf hohem Niveau.

 

"Regarding 3", der dritte Überblick des Vereins 701 über die jüngere Düsseldorfer Szene, ist besser als die beiden Vorgänger-Ausstellungen. Es handelt sich nicht mehr um eine Massenveranstaltung, Pia Witzmann als Kuratorin hat "nur noch" 13 Künstler eingeladen. Sie hat aber auch auf viele junge Möchtegern-Größen verzichtet und die Qualität bei älteren Jahrgängen gesucht. Das hebt das Niveau. "Regarding 3" ist sehenswert.

 

Ein Raum zum Eintauchen in wunderschöne Malerei

 

Museumsreif ist der auratische Raum von Jörn Stoya und Gregor Russ. Er ist mit weißen Hartfaser- und mit Spiegelplatten belegt und mit einem verspiegelten Fundament besetzt. Steht der Besucher vor dem Spiegelkasten, scheinen seine Beine abgeschnitten zu sein. Betritt er die Silberplatten auf dem Boden, hat er das Gefühl zu versinken. Im Ausgang haben Stoya und Russ weiße Spanplatten zu Eisschollen gestapelt, mit einem schwarzen Boot obenauf. Zwei kunstvolle, schwarze Ruder halten das kippende Boot in der Balance. In dieser instabilen Situation wirkt die Malerei von Stoya auf Polyesterfolien wie unfassbar und unangreifbar. Er hat die Farben vor oder hinter die Folien aufgetragen. Zufälligkeiten und klare Konzepte verweben sich, zugleich sind die Motive aus verschiedenen Zeiten, Architekturen und Stimmungen, aus Alchimie, Architektur und leicht dahin tändelnden Farben genommen. Vor der Koje hängt ein Objektkasten, wobei ein schwarzer Papier-Zweimaster in eine simple Plattenhülle saust. So doppeldeutig und süffisant kann Kunst sein.

 

Eine weiße Schneelandschaft aus bloßem Styropor geschnitten

 

Thomas Stricker liebt es theatralischer. Er errichtet eine schneeweiße Kunststoff-Landschaft, indem er Formen mit dem heißen Draht aus einem Styropor-Block schneidet und anschließend addiert. Wie Kohlköpfe, Fossilien, Muscheln und abstrakte Wucherungen breitet sich die kolossale Form unter dem Licht-Dach des Raumes strahlend schön aus.

 

Anja Schrey, die aus der Dibbets-Klasse der Kunstakademie Düsseldorf hervorgegangen ist und heute in Berlin lebt, präsentiert zwei übereinander liegende Figuren, die uns den Rücken kehren. Die Köpfe sind in die Ferne gerichtet. Dieser Ferne wohnt jedoch keine romantische Attitüde inne, denn nichts wird ansichtig. Der "Himmel" ist das bloße Zeichnungspapier. Aus unzähligen, kurzen Strichen wie beim Kupferstich entwirft sie die Binnenstruktur der Zeichnung. Sie benutzt bloße Buntstifte in feinen graduellen Unterschieden. Ein Kabinettstück sind die ineinander gefügten, verschieden strukturierten Finger der Hände.

Das Bild ist aus vielen Foto-Sessions hervorgegangen, wobei Anja Schrey selbst als Modell gewirkt und mit dem Auslöser das Foto geschossen hat. Erst wenn die Komposition und die Farbflächen stimmen, projiziert sie das Bild auf das Papier und arbeitet mit dem Foto in der Hand an der Ausführung. Das stete Stricheln sei eine meditative Arbeit, sie scheue die Mühe nicht.

 

Bundeswehrsäcke simulieren eine Situation im Schützengraben

 

Björn Dressler malt fiktive Eislandschaften, Dolinen, deren Decken eingestürzt sind und die das Höhlensystem freilegen. Gelbe Marsmännchen turnen an pinkfarbenen Seilen durch die blaue Landschaft. Im Kontrast dazu hat Nesha Nikolic 1,8 Tonnen Sand anliefern lassen und in Bundeswehr-Säcke gesteckt. Seine Dokumentation über Schützengräben ist zugleich eine Raritätensammlung, mit einem amerikanischen Helm aus den 70er Jahren, einem Telefon von 1962, einer Schweizer Militärkiste und einem Not-Kocher. Sogar die Patronen sind echt. All diese Requisiten gelten einem Soldaten im Wachkoma, der den Betrachter mit seinem Puppengesicht aus einem Videogerät entgegenschaut. 

 



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