Der koreanische Künstler Yong-Chang Chung ist mit der eindrücklichen Installation "Ssal" zu Gast bei "arteversum. Seine Arbeiten bestehen aus einem Grundnahrungsmittel - aus Reis.
Eine hinduistische Gottheit wacht vor einem monumentalen, schwarzen Tafelbild. Nur ein weißes Flugzeug, das der Gott wie Spielzeug an einem Stab kreisen lässt, belebt das meditativ anmutende Ensemble. "Ssal, Hiroshima" hat der aus Korea stammende Yong-Chang Chung diese Installation betitelt. Verbrannte Erde, schwarzes Nichts, ein weißer unbeeindruckter Gott - das so schlicht anmutende Motivtrio ist bedeutungsgeladen und es weckt starke Assoziationen.
Viele schwarze Körner
Erst aus der Nähe erkennt man, dass die gesamte Tafel dicht mit schwarzem Reis bedeckt ist. Tausende von eingefärbten Reiskörnern hat der Künstler mit einem Spachtel auf den Bildgrund aufgetragen. Auf der monochromen, vibrierenden Oberfläche sind feine Strukturen entstanden, so als folgten die Körner einem verborgenen Magnetfeld. Und letztlich verschwindet das einzelne Element im großen Ganzen, in einem schwarzen Nichts.
Ein Kreis aus acht weiteren großen Tafeln steht im Zentrum der Ausstellung bei "Arteversum". In dessen Mitte hat der Künstler ein düster-verschlammtes Kriegsschiff in den Sand gesetzt. Der Sand besteht freilich wieder aus Reiskörnern: 180 Kilo Reis - zu einem weißen Kreis ausgesiebt.
Yong-Chang konfrontiert den Besucher mit einer gleichermaßen minimalistischen wie minuziösen Kunst. Das scheinbar Einfache erweist sich hierbei als Resultat eines aufwändigen Herstellungsprozesses. Geschichten von verbranntem Reis hörte Yong-Chang schon als Schulkind. Es war üblich, dass die Soldaten im Krieg dem anrückenden Feind nichts als verbrannte Erde und verbrannten Reis hinterließen.
Die Zumutung des Kriegs hat den Künstler bis heut nicht losgelassen. Bereits im Jahr 1999 machte er das Gewaltpotential von Flugzeugen zum Thema. Da malte er einen Kamikaze-Flieger, der Kurs auf einen massiven, fensterlosen Hochhaus-Block nimmt. Eine beängstigende Vision - zwei Jahre vor dem 11. September.
Ausdruckstarkes Medium
Auch Yong-Chang Chung wird sich wohl die Frage gestellt haben, ob die Kunst nach der Erfahrung von Jahrhundertverbrechen wie Auschwitz oder Hiroshima nicht verstummen müsse? Denn jede Bebilderung muss vor dieser Realität scheitern. In den schwarzen, das Licht aufsaugenden Reistafeln fand er jedoch ein ausdrucksstarkes Medium. Wie ein Mahnmal kreisen seine schwarzen Reistafeln um ihr weißes Zentrum.
