Die neue Galerie "arteversum" eröffnet ihre geräumige Ausstellungshalle mit einer sehenswerten Schau: 53 Ölgemälde und zahlreiche Radierungen von Peter Royen fügen sich zu einer ruhigen, beeindruckenden Retrospektive. Ein meditativer, prachtvoller Auftakt.
"Meditation - das ist mein Thema", sagt der aus den Niederlanden stammende Künstler. Tatsächlich strahlen seine meist in schwarz oder weiß gemalten Bilder große Ruhe aus. Wie in einer Schule des Sehens scheint der Düsseldorfer Maler den Betrachter zu ermuntern, die "Farbigkeit innerhalb des Schwarz oder Weiß" zu entdecken. Schon die Bildtitel verraten, dass es in dieser Kunst auf die Nuance ankommt: "Verloren in Weiß", "Rhythmische Felder" - Royen ist ein Meister der Zwischentöne. Was in der Beschreibung der feinsinnig aus Rechtecken oder Kreisen komponierten Gemälde womöglich nüchtern und konstruktivistisch klingt, erweist sich vor den Originalen als Seherlebnis. Noch im kleinsten Detail spürt man die Emotion des Künstlers. Royen gelingt es, die rational-kühlen geometrischen Formen mit seiner einfühlsamen Handschrift energetisch aufzuladen und zu erwärmen.
Vibrierende Rechtecke
Da die Spur des Pinselstrichs stets sichtbar bleibt, wirken die Bildoberflächen sehr lebendig. Die rechteckigen Motive vibrieren oder wölben sich reliefartig hervor. Erst in der Feinstruktur, die ja nur aus nächster Nähe zu erkennen ist, entwickeln die aus der Ferne fast monochrom erscheinenden Werke ihren Charakter.
Die Radierungen aus den 50er und 60er Jahren belegen, dass Royen (Jahrgang 1923) damals noch nicht zu der für ihn typischen meditativen Ruhe gefunden hatte. Hier überlagern sich feinste nervöse Schraffuren zu korallenartigen Formationen oder dichten Liniennetzen. Weil die Radierungen aus sieben identischen Druckschichten aufgebaut sind, verlieren die Motive ihre grafische Härte. Royen zielte in der Druckgraphik vor allem auf eine "samtige Wirkung der Farbe". Die repräsentative Schau zeichnet die Entwicklung seines Stils in übersichtlicher Weise nach.
Arteversum-Gründer Reinhard Gröne, der den Sprung vom Kunstsammler zum Galeristen gewagt hat, möchte vor allem konzeptionell arbeitenden Künstlern ein Forum bieten. Mit einer Fläche von 750 Quadratmetern biete sich die arteversum-Halle auch als Spielort für Gruppenausstellungen an.
